Präadipositas: BMI, Risiken und was du tun kannst
Präadipositas bezeichnet bei Erwachsenen einen BMI ab 25 bis unter 30. Das entspricht Übergewicht ohne Adipositas. Ob daraus ein gesundheitliches Problem entsteht, hängt jedoch auch von Bauchfett, Blutdruck, Blutzucker und weiteren Faktoren ab. Der Begriff bedeutet deshalb nicht, dass du zwangsläufig stark übergewichtig wirst. Dieser Ratgeber hilft dir, deine Werte einzuordnen und sinnvolle nächste Schritte zu planen.
Das Wichtigste zur Präadipositas
- BMI 25 bis unter 30: eine Gewichtskategorie, keine vollständige Diagnose deiner Gesundheit.
- Taillenumfang ergänzen: Die Fettverteilung liefert zusätzliche Hinweise auf das Stoffwechselrisiko.
- Individuell entscheiden: Begleiterkrankungen, Beschwerden und dein Gewichtsverlauf bestimmen, welche Unterstützung sinnvoll ist.
- Langfristig vorgehen: Ein realistischer Plan für Ernährung und Bewegung ist hilfreicher als ein kurzfristiges Gewichtsversprechen.
Was ist Präadipositas?
Präadipositas ist die Bezeichnung für den BMI-Bereich 25,0 bis 29,9 kg/m². Genau genommen reicht er von 25 bis zu jedem Wert unter 30. Ab einem BMI von 30 beginnt in der üblichen Einteilung die Adipositas. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Übergewicht ab BMI 25 und Adipositas ab BMI 30.
Übergewicht ist dabei auch ein Oberbegriff, der Adipositas einschließen kann. Im Alltag wird er häufig nur für Präadipositas verwendet. Das erklärt, weshalb beide Begriffe in manchen Texten austauschbar erscheinen.
| BMI in kg/m² | Einordnung |
|---|---|
| Unter 18,5 | Untergewicht |
| 18,5 bis unter 25 | Normalgewicht |
| 25 bis unter 30 | Präadipositas |
| 30 bis unter 35 | Adipositas Grad I |
| 35 bis unter 40 | Adipositas Grad II |
| Ab 40 | Adipositas Grad III |
Die Kategorien stehen auch in der Übersicht der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Die Bezeichnung „Prä“ beschreibt hier die Lage unterhalb der BMI-Grenze für Adipositas. Sie ist keine Vorhersage deines weiteren Gewichtsverlaufs.
Präadipositas erkennen: So berechnest du deinen BMI
Für die Rechnung brauchst du dein Gewicht in Kilogramm und deine Größe in Metern:
BMI = Körpergewicht ÷ (Körpergröße × Körpergröße)
Beispiel: Bei 80 kg und 1,70 m rechnest du 80 ÷ (1,70 × 1,70). Das ergibt rund 27,7 und liegt im Bereich der Präadipositas. Wichtig: Setze 1,70 m ein, nicht 170 cm.
Umgekehrt kannst du eine BMI-Grenze in ein Körpergewicht umrechnen. Bei 1,70 m entsprechen BMI 25 genau 72,25 kg und BMI 30 genau 86,70 kg. Das sind rechnerische Grenzen der Kategorie, keine persönliche Empfehlung für ein Zielgewicht. Bei einem Wert nahe einer Grenze solltest du nicht vor der Einordnung auf ganze Zahlen runden.
Warum der BMI allein nicht ausreicht
Der BMI unterscheidet nicht zwischen Fett und Muskelmasse. Ein muskulöser Mensch kann deshalb einen erhöhten Wert haben, ohne entsprechend viel Körperfett zu besitzen. Auch Alter und Herkunft beeinflussen die Risikobewertung. Für manche Bevölkerungsgruppen entstehen Stoffwechselrisiken bereits bei niedrigeren BMI-Werten. Darauf weist der britische Gesundheitsdienst NHS hin.
Für Kinder und Jugendliche gelten altersbezogene Kriterien. Während einer Schwangerschaft eignet sich die hier gezeigte Einteilung nicht zur Planung einer Gewichtsabnahme. Auch im höheren Alter sollten Muskelmasse, Ernährung und körperliche Funktion in eine ärztliche Bewertung einfließen. Ein Tabellenwert ersetzt diese Einordnung nicht.
Taillenumfang bei Präadipositas: Bauchfett besser einordnen
Bei einem BMI unter 35 kann der Taillenumfang wichtige Zusatzinformationen liefern. Die DGE nennt über 80 cm bei Frauen und über 94 cm bei Männern als Werte, ab denen das Risiko für Herz-Kreislauf- und Stoffwechselkrankheiten steigt. Sie beschreiben Risikohinweise, keine Diagnose einer Erkrankung.
So misst du deine Taille
- Stelle dich aufrecht hin und entspanne deinen Bauch.
- Bestimme die Mitte zwischen dem unteren Rippenrand und dem oberen Rand des Beckenknochens.
- Lege das Maßband dort waagerecht um den Bauch, möglichst direkt auf der Haut. Es soll anliegen, ohne einzuschneiden.
- Atme normal aus und lies den Umfang ab. Ziehe den Bauch dabei nicht ein.
Diese Messstelle beschreibt die NICE-Leitlinie NG246. Für Verlaufsmessungen solltest du möglichst dieselbe Stelle und ähnliche Bedingungen wählen.
Taille-Größe-Verhältnis: Was bedeutet 0,5?
Eine weitere Orientierung ist das Taille-Größe-Verhältnis, auf Englisch Waist-to-Height Ratio (WHtR). Teile deinen Taillenumfang durch deine Körpergröße; beide Werte müssen dieselbe Einheit haben. Bei 90 cm Taille und 170 cm Größe ergibt sich beispielsweise 90 ÷ 170 = 0,53.
| Taille ÷ Körpergröße | Einordnung des Bauchfettrisikos |
|---|---|
| 0,4 bis unter 0,5 | Kein erhöhtes Risiko durch zentrale Fettansammlung in dieser Einteilung |
| 0,5 bis unter 0,6 | Erhöhtes Risiko |
| Ab 0,6 | Weiter erhöhtes Risiko |
Die praktische Orientierung lautet: Taille möglichst unter der halben Körpergröße halten. Ein günstiger Wert garantiert allerdings keine umfassende Gesundheit. WHtR und WHR sind verschieden: Bei der Waist-to-Hip Ratio (WHR) teilst du die Taille durch den Hüftumfang. Die Werte und Grenzbereiche lassen sich nicht austauschen.
Welche Symptome und Risiken hat Präadipositas?
Präadipositas lässt sich nicht an einem bestimmten Symptom erkennen. Die Einordnung entsteht aus Größe und Gewicht. Du kannst dich mit einem BMI von 27 fit fühlen und trotzdem auffällige Blutwerte haben. Umgekehrt beweisen Müdigkeit, Kurzatmigkeit oder Gelenkschmerzen nicht, dass dein Gewicht die Ursache ist. Solche Beschwerden sollten nach ihrem tatsächlichen Auslöser beurteilt werden.
Übergewicht kann unter anderem mit folgenden Gesundheitsproblemen verbunden sein:
- Typ-2-Diabetes und gestörter Blutzuckerregulation,
- Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- Fettansammlung in der Leber,
- Schlafapnoe und Beschwerden an belasteten Gelenken.
Besonders zusätzliche Fettansammlungen an der Taille sind relevant. Das US-Forschungsinstitut NIDDK erläutert diese Zusammenhänge. Daraus folgt keine feste Erkrankungswahrscheinlichkeit für eine einzelne Person. Bereits vorhandene Krankheiten und die Dauer der Gewichtszunahme gehören zur Bewertung.
Wie entsteht Präadipositas?
Körperfett nimmt zu, wenn über längere Zeit mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Wie diese Bilanz entsteht, hängt von vielen Einflüssen ab: Veranlagung, Essumgebung, Bewegung, Schlaf, psychosozialen Bedingungen und manchmal Medikamenten oder Erkrankungen. Die WHO beschreibt Übergewicht und Adipositas entsprechend als ein komplexes Zusammenspiel. Die bloße Aufforderung, disziplinierter zu sein, greift zu kurz.
Wann solltest du mit Präadipositas zum Arzt?
Die Hausarztpraxis ist eine gute erste Anlaufstelle, wenn dein Gewicht zunimmt, deine Taille vergrößert ist oder du Unterstützung möchtest. Nimm frühzeitig Kontakt auf, wenn Bluthochdruck, Diabetes, auffällige Blutfette, Atemaussetzer im Schlaf oder deutliche Gelenkbeschwerden bekannt sind. Auch vermutete Essstörungen verdienen Unterstützung; weitere Diätregeln lösen das Problem nicht.
Nach der deutschen S3-Leitlinie zur Prävention und Therapie der Adipositas, Version 2024 kann eine Behandlung bereits bei BMI 25 bis unter 30 angezeigt sein. Gründe sind etwa gewichtsbedingte Gesundheitsstörungen, ausgeprägtes Bauchfett, durch Übergewicht verschlimmerte Erkrankungen oder hoher psychosozialer Leidensdruck. Für die stammbetonte Fettverteilung nennt sie Taillenwerte ab 88 cm bei Frauen beziehungsweise 102 cm bei Männern.
Die Praxis kann deinen Gewichtsverlauf, Medikamente und Begleiterkrankungen besprechen. Je nach Situation kommen Blutdruckmessung sowie Untersuchungen von Blutzucker, Blutfetten und weiteren Werten infrage. Nicht jeder Mensch benötigt dieselben Tests. Wie du passende Unterstützung findest, erklärt auch unser Beitrag Welcher Arzt hilft bei Fragen zu Ernährung und Abnehmen?
Was hilft bei Präadipositas?
Das passende Ziel richtet sich nach deiner gesundheitlichen Situation. Es kann darum gehen, eine weitere Zunahme zu verhindern, fitter zu werden oder Gewicht zu reduzieren. Bei niedrigem Risiko muss aus einem BMI knapp über 25 kein drastisches Abnehmziel entstehen.
Ernährung: Eine tragfähige Auswahl finden
Die aktuellen DGE-Empfehlungen setzen auf reichlich pflanzliche Lebensmittel, Vollkorn, Hülsenfrüchte und Wasser beziehungsweise kalorienfreie Getränke. Für deinen Alltag kannst du daraus einfache Mahlzeiten entwickeln:
- Frühstück: Haferflocken mit Naturjoghurt und Obst oder eine passende pflanzliche Alternative.
- Mittag: Gemüse mit Linsen, Bohnen oder einer anderen Eiweißquelle und einer passenden Beilage.
- Abend: Vollkornbrot mit Quark oder Hummus und Rohkost.
Die Beispiele sind eine redaktionelle Anregung, kein individuell berechneter Speiseplan. Falls du abnehmen möchtest, müssen die Portionen insgesamt zu einem moderaten Energiedefizit passen. Ein erster Ansatz kann sein, regelmäßig getrunkene Limonade durch Wasser zu ersetzen. Lebensmittel vollständig zu verbieten ist dafür nicht nötig.
Auch Kohlenhydrate dürfen Teil einer ausgewogenen Ernährung sein. Mehr zur Einordnung verschiedener Ansätze findest du im Beitrag Essen ohne Kohlenhydrate: Wie gelingt eine gesunde Ernährung?
Bewegung: Regelmäßig und passend zu deiner Belastbarkeit
Die WHO-Bewegungsempfehlungen nennen für Erwachsene 150 bis 300 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität pro Woche oder eine entsprechende Menge intensiver Aktivität. Dazu kommt Muskelkräftigung an mindestens zwei Tagen. Bewegung hat auch dann gesundheitlichen Nutzen, wenn die Waage wenig Veränderung zeigt.
Wenn du bislang wenig aktiv bist, kannst du mit kurzen Wegen beginnen und langsam steigern. Als Wochenbeispiel ergeben fünf zügige Spaziergänge von jeweils 30 Minuten insgesamt 150 Minuten. Bei Schmerzen oder eingeschränkter Belastbarkeit lässt sich eine geeignete Bewegungsform mit deiner Praxis abstimmen.
Gewichtsziele: Fortschritt jenseits einer BMI-Grenze
Gesundheitliche Verbesserungen verlangen nicht immer, sofort die Kategorie Normalgewicht zu erreichen. Das IQWiG nennt in seiner Adipositasinformation je nach Ausgangsgewicht eine Abnahme von 5 bis 10 Prozent innerhalb von 6 bis 12 Monaten als ärztlich empfohlenes Ziel. Ob ein solches Ziel bei deiner Präadipositas passt, sollte individuell entschieden werden.
Bei 80 kg entsprechen 5 Prozent rechnerisch 4 kg. Das Beispiel ist keine Abnehmempfehlung für jede Person mit diesem Gewicht. Achte zusätzlich darauf, wie sich Belastbarkeit, Taillenumfang und gegebenenfalls ärztlich kontrollierte Werte entwickeln.
Sind Medikamente bei Präadipositas eine Option?
Ein BMI zwischen 25 und 30 bedeutet nicht automatisch, dass ein Medikament sinnvoll oder zugelassen ist. Zum Beispiel ist Wegovy laut Europäischer Arzneimittel-Agentur EMA bei Erwachsenen zur Gewichtskontrolle ab BMI 30 oder ab BMI 27 mit mindestens einer gewichtsbezogenen Begleiterkrankung vorgesehen, ergänzend zu Ernährung und Bewegung. Eine Verordnung setzt eine ärztliche Nutzen-Risiko-Abwägung voraus.
Die Präparate sind nicht beliebig austauschbar. Mehr zu Semaglutid und den Unterschieden zwischen Arzneimitteln liest du in unserem Artikel Ozempic zum Abnehmen: Wirkung, Risiken und Kosten.
Präadipositas angehen: Ein einfacher Vier-Wochen-Plan
Dieser Plan ist ein redaktionelles Beispiel zum Aufbau von Routinen. Er verspricht keine bestimmte Gewichtsabnahme und ersetzt keine Behandlung. Bei bestehenden Erkrankungen oder einer Essstörung sollten die Schritte zu deiner professionellen Betreuung passen.
| Zeitraum | Dein Schwerpunkt | Konkreter Schritt |
|---|---|---|
| Woche 1 | Ausgangslage verstehen | Notiere Gewichtsverlauf, Bewegung und typische Mahlzeiten. Berechne den BMI und miss die Taille. Vereinbare bei Risikohinweisen einen Arzttermin. |
| Woche 2 | Eine Ernährungsroutine wählen | Plane eine ausgewogene Mahlzeit, die du regelmäßig vorbereiten kannst. Schreibe die Zutaten auf deine Einkaufsliste. |
| Woche 3 | Bewegung fest einplanen | Trage passende Spaziergänge oder andere Aktivitäten in deinen Kalender ein. Starte mit einer Dauer, die du gut bewältigst. |
| Woche 4 | Prüfen und anpassen | Behalte die Schritte, die funktionieren. Vereinfache zu aufwendige Vorhaben und plane eine Alternative für stressige Tage. |
Zum Beispiel lässt sich „Ich muss mehr Sport machen“ in „Montag und Donnerstag gehe ich nach dem Mittagessen eine kurze Runde“ übersetzen. Formuliere einen Schritt so, dass du später erkennen kannst, ob er umgesetzt wurde. Eine kleinere verlässliche Routine kann für den Einstieg nützlicher sein als ein voller Kalender.
Das NIDDK empfiehlt für Verhaltensänderungen, kleine Ziele zu setzen, Hindernisse vorauszuplanen und Fortschritte zu beobachten. Ein Rückschritt bedeutet dabei nicht, dass der ganze Plan gescheitert ist. Überlege stattdessen, welche Unterstützung oder Anpassung dir fehlt.
Häufige Fragen zur Präadipositas
Was bedeutet Präadipositas auf Deutsch?
Gemeint ist Übergewicht im BMI-Bereich von 25 bis unter 30 bei Erwachsenen. Die Bezeichnung beschreibt eine Gewichtskategorie unterhalb der üblichen BMI-Grenze für Adipositas.
Ist Präadipositas schon Adipositas?
Nach der üblichen BMI-Einteilung beginnt Adipositas ab 30. Gesundheitliche Probleme können jedoch bereits darunter auftreten. Für die persönliche Bewertung zählen deshalb auch Bauchfett, Beschwerden und medizinische Befunde.
Wird aus Präadipositas zwangsläufig Adipositas?
Nein. Aus der Kategorie allein lässt sich keine zwangsläufige Entwicklung ableiten. Dein Gewichtsverlauf und deine individuelle Situation sind entscheidend.
Ist ein BMI von 27 gefährlich?
Ein BMI von 27 liegt im Bereich der Präadipositas. Ob ein erhöhtes persönliches Risiko besteht, lässt sich aus dieser Zahl allein nicht bestimmen. Taillenumfang, Blutdruck und Stoffwechselwerte helfen bei der Einordnung.
Wie viele Kilogramm sind Präadipositas?
Das hängt von der Körpergröße ab. Bei 1,70 m liegt die rechnerische Spanne bei 72,25 kg bis unter 86,70 kg. Andere Größen ergeben andere Grenzen; ein persönliches Zielgewicht folgt daraus nicht automatisch.
Muss ich bei Präadipositas abnehmen?
Das hängt vom gesundheitlichen Risiko und deiner Situation ab. Bei Begleiterkrankungen kann eine Gewichtsreduktion sinnvoll sein. Bei niedrigem Risiko kann zunächst Gewichtsstabilisierung mit gesundheitsförderlichen Gewohnheiten im Vordergrund stehen.
Was ist wichtiger: BMI oder Taillenumfang?
Die Werte ergänzen sich. Der BMI ordnet Gewicht im Verhältnis zur Größe ein, während die Taille Hinweise auf Bauchfett gibt. Eine medizinische Einschätzung berücksichtigt zusätzlich Befunde und Beschwerden.
Quellen und redaktioneller Stand
Stand: 28. September 2026. Grundlage sind die direkt im Text verlinkten Informationen von WHO, DGE, NICE, NHS, NIDDK, IQWiG und EMA sowie die deutsche S3-Leitlinie, Version 5.0 von Oktober 2024. Die Hinweise richten sich an Erwachsene. Dieser redaktionelle Ratgeber ersetzt keine persönliche Diagnose oder Therapieempfehlung.
Beitragsbild: eigens erstelltes KI-Symbolbild zum Thema Taillenumfang und Gesundheitsvorsorge.
